Barbara Richstein in Groß Glienicke zwischen den Fronten des Ufer- und Einzelhandelskonfliktes
POTSDAM / GROSS GLIENICKE - Das Häuflein Aufrechter wartet schon: „Freies Ufer“ steht auf den Transparenten. Barbara Richstein, CDU-Oberbürgermeisterkandidatin, besucht gestern auf ihrer Potsdamkennenlerntour Groß Glienicke. Und gerät sofort in den Strudel von Lust und Frust bei der Ortsgestaltung. „Die Leute, die Ufergrundstücke kauften, haben gewusst, dass ein bis 2014 gültiger Bebauungsplan existiert, der einen öffentlichen Uferweg vorsieht“, empört sich Gudrun Thielsch über sperrende Anrainer. Zwei Bürgerinitiativen haben sich formiert, die eine setzt auf Kompromisse und Veränderungen im B-Plan zugunsten der Eigentümer, die andere notfalls auf Enteignung.
Die aus Nordrhein Westfalen zugezogene Seniorin plädiert für einen luftigen Wildzaun zur Abgrenzung der privaten, unter Landschaftsschutz stehenden Uferflächen. „Das habe ich Bürgermeister Exner und der SPD-Europaabgeordneten Roth-Behrendt geschrieben, aber keiner hat mir geantwortet.“
Richstein könne in Groß Glienicke viele Stimmen holen, wenn sie den Uferweg durchsetzt, orakelt jemand. Aber die Juristin zaubert keine schnelle Lösung aus ihrer brauen Krokodesign-Handtasche: „Ich kenne die Aktenlage nicht“, dämpft sie allzu große Erwartungen. Es seien Fehler gemacht worden in der Vergangenheit, nun könne man Betroffene nicht einseitig bestrafen. „Man muss sehen, wie die Interessen der privaten Eigentümer und der Landschaftsschutz unter einen Hut zu bringen sind.“ Da seien Kompromisse nötig.
Das ist in dem Dorf am idyllischen See ein zähes Ringen, weiß Norbert Mensch, der für die CDU im Ortsbeirat sitzt und Richstein begleitet – mit den anderen politischen Kräften im Beirat und der Potsdamer Stadtverwaltung. Deshalb hat auch Mensch jetzt eine Bürgerinitiative gegründet: zur Rettung der 60 Jahre alten Lindenallee in der Seepromenade. Knapp 50 von 90 Bäumen sollen dem grundhaften Ausbau zum Opfer fallen. „Wir haben schon mehr als 200 Unterschriften von Sympathisanten“, so Mensch.
Widerstand regt sich auch gegen einen neuen, großen Vollversorger auf der Brache am Kreisel. „Völlig überdimensioniert“, moniert Dagmar Opitz, Chefin des Edeka-Marktes im Seecenter, das jetzt schon zu 40 Prozent leer steht. Käme ein Großmarkt hinzu, wäre das das Ende der bis 2014 angemieteten Filiale mit zehn Arbeitsplätzen. „Wenn nicht, würden wir erweitern und die Sortimente Getränke und Gemüse in den leeren Räumen nebenan unterbringen“, so Opitz.
Ähnliche Bedenken äußert Torsten Birlem, Projektentwickler des Wohn- und Gewerbeareals „Albrechtshof“. Er hält – wie Norbert Mensch – bestenfalls 700 Quadratmeter Verkaufsfläche für vertretbar und die Bedarfsanalysen für fragwürdig. Welche Alternative er sieht, will Richstein wissen. „Als Bolzplatz und Reserve für den wachsenden Ortsteil, für späteren Wohnungsbau und Infrastruktur“, so Birlem. Die Potenzialanalyse zum Einzelhandelskonzept sieht indes 2400 Quadratmeter „für einen zeitgemäßen Supermarkt“ vor, so Stadtplanungschef Goetzmann. Dies würde laut Gutachten der „Stabilisierung des Altbrechtshofes“ dienen. (Von Carola Hein)
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